Boxe Éducative bzw. Leichtkontaktboxen ist eine Kampfsportart (man kann getrost auch von Kampfkunst sprechen), die von den Bewegungsabläufen und den Schlag- und Verteidigungstechniken her dem olympischen Amateurboxsport entspricht. Es sind jedoch zwei zentrale Unterschiede festzumachen:
- Es wird bei allen Partnerübungen, beim Sparring und im Wettkampf grundsätzlich nur im Leichtkontakt geboxt und
- Es werden pädagogische Ziele gesetzt und es kommen dementsprechende Methoden zum Einsatz.
Boxe Éducative ist in Frankreich weit verbreitet, dort wird es in der Regel als Vorstufe zum "eigentlichen" Boxsport angesehen. Vor allem in den Vororten französischer Großstädte wird Boxe Éducative aber auch eingesetzt, um solche Jugendlichen zu erreichen, die mit herkömmlichen pädagogischen Mitteln kaum noch erreichbar sind. Hier treten die pädagogischen Ziele des Sports in den Vordergrund: Förderung von Anstrengungsbereitschaft, Einbindung in geregelte Lebensstrukturen, (Re-)Integration in schulische Lernzusammenhänge und perspektivisch in die Arbeitswelt. So ist die Erledigung von Hausaufgaben oftmals eine Bedingung dafür, am Training überhaupt teilnehmen zu dürfen.
Auch in der Schweiz ist Boxe Éducative bekannt, dort wird jedoch die sportive Seite mit der Besonderheit des Leichtkontaktboxens betont. Besondere Impulse gehen seit einiger Zeit vom BC Basel aus.
In Deutschland gab es bislang keine Grundlage für Boxe Éducative. Viele einzelne Projekte haben zwar den olympischen Amateurboxsport als Grundlage ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, legen jedoch keine pädagogische Konzeption zu Grunde. Mit dem Abschluss des Pilotprojektes "Boxsport im außerunterrichtlichen Schulsport an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen" liegt ein Rahmenkonzept vor, das es möglich macht, im Nachmittagsbereich von Schulen Boxe Éducative in Kooperation Schule-Verein anzubieten. Diese verbindliche konzeptionelle Verankerung ist in der Bundesrepublik bislang einmalig.
Was derzeit noch aussteht, ist die Gründung von eigenständigen Boxsportvereinen bzw. von Abteilungen innerhalb bestehender Vereine, die Boxe Éducative/Leichtkontaktboxen anbieten. Hier besteht großer Nachholbedarf.
Aktualisiert am 16.11.2011


